Eines meiner Ziele ist es, Menschen dazu zu bringen, ihre eigene Stärke zu erkennen, um dadurch gute Entscheidungen für ihr eigenes Leben zu treffen. Um diese Stärke zu erkennen, lohnt es sich auch, einige unserer natürlichen Einschränkungen zu betrachten. Eine davon zeigt sich möglicherweise in unserem Bedürfnis dazuzugehören.
Als ich mich intensiver mit unseren biologischen Voraussetzungen beschäftigt habe, wurde mir bewusst, wie grundlegend dieses Bedürfnis für uns Menschen ist. Das haben wir mit vielen anderen Arten gemeinsam, auch wenn wir uns durch unsere sozialen Fähigkeiten und unsere Abhängigkeit von anderen unterscheiden.
Vielleicht nehmen wir unser Verhalten nicht als Ausdruck biologischer Mechanismen wahr. Dennoch prägen diese Mechanismen unser Denken und unser Verhalten.
Viel mehr als mir bewusst war, bin ich anderen gefolgt, habe mich daran orientiert, was andere dachten, meinten und taten, und habe dadurch versucht, mich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen. Und genau darum geht es. Wir alle haben das grundlegende Bedürfnis, uns als Teil von etwas zu fühlen.
Schauen wir uns mal genauer an, was es bedeutet, ein Teil einer Gemeinschaft zu sein, und wie das zu Einschränkungen führen kann, die wir nicht merken und die uns daran hindern, unser Potenzial auszuschöpfen.
Die Familie – unsere erste Zugehörigkeit
Wir sind von Geburt an voneinander abhängig. Wir brauchen Nähe, Nahrung und soziale Reize.
Die erste Zugehörigkeit, die wir erleben, ist das, was wir als Familie kennen. Sie kann sehr unterschiedlich sein, je nachdem, wo auf der Welt wir geboren werden. Sie kann groß oder klein sein, und wir wachsen auf und lernen etwas über uns selbst, über andere und die Welt.
Eine Familie soll einen sicheren Rahmen bieten, wir sollen gesehen und verstanden werden, zusätzlich zu dem, was ich bereits in Bezug auf Nähe, Nahrung und soziale Reize erwähnt habe. Und nicht zuletzt brauchen wir Akzeptanz und Bestätigung.
All diese Erfahrungen beeinflussen unser späteres Verhalten als Erwachsene und bildet die Grundlage für das, was wir lernen.
Die individuelle Zugehörigkeit – unsere Freunde und soziale Umgebung
Mit der Zeit bilden wir unsere individuelle Zugehörigkeit im Aussen. Im Kindergarten, in der Schule und im Berufsleben. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft bleibt bestehen.
Wir erinnern uns wohl alle daran, wie wichtig es war, in einer Gruppe akzeptiert zu werden und so sein zu dürfen wie die anderen. Sowohl in Bezug auf das äussere Erscheinungsbild als auch auf das Verhalten. Gruppen beobachten einander, um zu sehen, wer dazugehört oder nicht, oder ob wir sie mögen oder nicht.
Niemand möchte ausgeschlossen werden, und wir haben alles versucht, uns anzupassen und akzeptiert zu werden. Und dennoch erleben einige Menschen Ausgrenzung.
Wir werden gemobbt oder wir mobben, basierend auf dem, was wir gelernt haben und was wir von anderen gehört haben. Ausgrenzung ist, wie wir wissen, sowohl einsam als auch schmerzhaft.
Die Gruppe, zu der wir aufschauen, kann dadurch unser eigenes Potenzial begrenzen.
Was geschieht? – Die Mechanismen, die uns steuern
Es gibt immer jemanden, der in einer Gruppe eine führende Rolle einnimmt, was ein großes Missverständnis ist. Wir folgen, auch wenn wir in den Abgrund geführt werden. Wir verlieren uns selbst und werden von unseren eigenen Werten und unserem wahren Selbst weggeführt.
Ich erinnere an unser natürliches Lernen, bei dem wir beobachten, was andere tun, sagen und wie sie sich verhalten. Wir vergleichen uns also mit den anderen.
Weil wir unterschiedliche Dinge gelernt haben und unterschiedlich geprägt sind, können wir niemals exakt so handeln das, wie die anderen. Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden, Dinge zu tun, und lernen zu akzeptieren, dass Unterschiedlichkeit eine natürliche Voraussetzung ist.
Stattdessen wird genau diese Unterschiedlichkeit oft zu einer der größten Herausforderungen und Einschränkungen, die wir mit uns herumtragen.
Wir vergleichen uns mit anderen, und weil das Bedürfnis dazuzugehören grundlegend ist, werden wir nie das Gefühl haben, gut genug, geschickt genug oder so leistungsfähig zu sein wie die anderen. Wir lernen und üben uns in negativem Selbstgespräch – ohne es bewusst zu verstehen.
Die Prozesse laufen automatisch ab – wir sind auf Autopilot. Der innere Kritiker wird zur Wahrheit, und es entsteht ein Teufelskreis, der zu unterschiedlichem Verhalten führt.
Ich selbst habe sowohl unter Leistungsdruck als auch unter sozialer Angst und vielem mehr gelitten, weil ich dachte, ich müsste wie die anderen sein. Keiner soll sich von anderen abheben, denn dann kommt das zum Tragen, was in unserer Gesellschaft als natürliches Lernen verankert ist: nämlich das Jantelov. (das skandinavische "Gesetz von Jante", ein kulturelles Prinzip der Gleichheitsnorm)
Verlasse nicht die Norm und glaube nicht, dass du anders bist!
Leider haben viele bewusst oder unbewusst genau damit zu kämpfen.
Was bedeutet das für uns?
Unsere soziale Natur ist keine Schwäche. Sie ermöglicht Zusammenarbeit, Unterstützung und gemeinsames Wachstum.
Ich sage oft, dass wir gemeinsam eine enorme Kraft entfalten können und die Grenzen sprengen können, die uns von einem besseren Leben und einer friedlicheren Welt abhalten.
Ich sehe ein enormes Potenzial, auf das wir alle in uns selbst zugreifen können, wenn wir es nur schaffen, unsere eigenen Grenzen zu überwinden.
Wir sind alle einzigartige Teile einer Gemeinschaft, und gemeinsam können wir bessere Lösungen schaffen, wenn jeder sein volles Potenzial ausschöpft.
